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Bild: NOW KI

Guetersloh – zwischen Muell und Gaehnen oder »Der Brautkleid Komplex«

#Gütersloh – zwischen Müll und Gähnen oder »Der #Brautkleid Komplex«

#Gütersloh, 26. November 2025

#Gütersloh ist eine Stadt mit bemerkenswerten Fähigkeiten

Zum Beispiel kann sie gleichzeitig völlig unsichtbar sein und sich permanent selbst beobachten. Eine Art kommunaler #Möbiusstreifen, der nach außen wirkt wie eine Mischung aus gepflegtem Desinteresse und strukturellem Tiefschlaf.

Man muss diese Stadt fast schon bewundern: Sie besitzt ein #Brautmodengeschäft (in der #Spiekergasse), das regelmäßig im deutschen #Fernsehen (»Zwischen Tüll und Tränen«, »#Vox«) erscheint – und gleichzeitig schafft sie es, ihre eigene #Kultur vollständig zu übersehen.

Das ist keine Nachlässigkeit.

Das ist ein System.

Der »Brautkleid Komplex«

#Reality #TV statt Realität – das Brautmodengeschäft ist das beste Beispiel für den Gütersloher Sonderweg. Es funktioniert, weil es nicht von Gütersloh stammt, sondern von »Vox«. Es wird geliebt, weil es nicht nach Stadtverwaltung riecht. Und es wird wahrgenommen, weil es nichts mit dieser Stadtplanung zu tun hat.

Kurz gesagt: Alles, was Gütersloh nicht selbst produziert – wird gesehen. Alles, was Gütersloh selbst produzieren müsste – wird übersehen.

Das nennt man den »Brautkleid Komplex«.

Es ist der kulturelle Grundsatz, dass ein Fernsehbeitrag über ein Brautkleid hier mehr Resonanz erzeugt als 10 Jahre lokales Kulturengagement.

Der kommunale Schlafmodus

Zwischen Müll, Akten und Gähnen – die Stadtverwaltung selbst lebt in einem Zustand dauerhafter Tiefenentspannung, der fast meditativ wirkt. Sie ist nicht feindselig, nicht aggressiv – sie ist einfach nicht wach. Unabhängige Projekte werden in Gütersloh behandelt wie exotische Haustiere: Man weiß nicht, was man damit machen soll. Man beobachtet sie vorsichtig. Und irgendwann hofft man, dass sie von selbst wieder verschwinden.

Es gibt Städte, die gegen Bürgerprojekte kämpfen. Gütersloh hingegen setzt auf die effektivere Methode: konsequentes, professionelles Weggähnen.

Kulinarische Kränkungen

Die Stadt und das #Kochbuch, das sie nie wollte – ein besonders zartes Kapitel der lokalen Realsatire ist die kulinarische Konkurrenzsituation. Ein Bürger erstellt ein umfangreiches, hochwertiges, journalistisch sauberes Kochbuch – und die Stadt reagiert auf die denkbar provinzielle Weise: Sie produziert ein eigenes Kochbuch. Ein PR Buch. Leicht stapelbar, leicht verdaulich, ohne jedes Risiko.

Und weil man sich nicht einmal dabei erwischen lassen möchte, lässt man es von einer lokalen #Buchhandlung verlegen, damit niemand auf die Idee kommt, es könnte städtisch sein.

Das ist Gütersloh in Reinform: Man will Kultur – aber bitte so, dass sie nicht nach #Kultur aussieht.

»Europe Direct«

Das Schwarze Loch der Bürgerkommunikation – die europäische Informationsstelle des Kreises wäre eigentlich dazu da, Projekte zu unterstützen, die Europa sichtbar machen. In Gütersloh erfüllt sie diese Aufgabe so konsequent, dass man sie kaum wahrnimmt – weil sie nahezu alles unsichtbar macht.

Auf Vorworte, Rückmeldungen oder Kooperationen wartet man hier länger als auf die Wiedereröffnung eines Fachbereichs im Rathaus. Was hineingeht, kommt selten wieder heraus.

Wissenschaftlich würde man es so formulieren: »Ein hochkomplexer Kommunikationsabsorbierer mit ausgeprägter Realitätsverdünnung.« Der Volksmund nennt es einfach: »Wie immer.«

Die Stadt als eigenständige Kunstform

Man muss fair sein: Gütersloh ist kein unattraktiver Ort. Es ist eine Stadt voller #Vereine, #Initiativen, #Talente, #Kultur, #Engagement. Was fehlt, ist das Wollen. Oder zumindest das Nicht Verhindern.

Gütersloh ist wie ein großes weißes Blatt, auf das niemand schreiben möchte, weil man Angst hat, die Verwaltung könne es wieder löschen.

Dieses Schweigen ist nicht leer – es ist organisiert. Es ist gepflegt. Es ist das zentrale kulturelle Prinzip der Stadt.

Ende mit Anfang

Gütersloh ist eine Stadt, die viel zu bieten hat. Sie könnte aufblühen, wachsen, strahlen – wenn sie sich nur trauen würde, einmal nicht zu gähnen, wenn jemand etwas tut. Aber vielleicht ist das ja die wahre Identität dieses Ortes: Zwischen Mülltonnen und Brautkleidern hält Gütersloh sich selbst in Schach – damit bloß niemand merkt, wie groß das Potenzial eigentlich wäre.

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